Kampf der Daten: Künstliche Intelligenz in China

Wenn es darum geht, die Datenmengen der Zukunft nutzbar zu machen, fällt der K.I., der künstlichen Intelligenz, eine Schlüsselrolle zu. China ist in diesem Bereich schon jetzt ein wichtiger Innovationsträger und dabei größter Wettbewerber der USA. Europa und Deutschland sind im internationalen Vergleich unbedeutend geworden.

China befindet sich im Rausch der künstlichen Intelligenz. Spätestens seit Veröffentlichung des staatlichen „Entwicklungsplans für künstliche Intelligenz der neuen Generation“ werden die ambitionierten Ziele der Volksrepublik für 2030 deutlich. Die damit verbundenen Regierungspolicen und Förderprogramme lassen die Branche heißlaufen. Zeichen für ein Zuspitzen des Wettbewerbs zwischen China und den USA werden erstmals erkennbar. Dabei geht es nicht nur um kommerzielle Markterfolge, sondern auch um die Frage wer in Zukunft Vorreiter in Forschung und Entwicklung von K.I. sein wird.

China wird inzwischen weltweit als attraktiver Forschungsstandort für K.I. wahrgenommen, dies zeigt auch die kürzliche Eröffnung eines Google-Zentrums für Entwicklung künstlicher Intelligenz in Beijing. Für den Konzern ist es das erste Zentrum dieser Art in Asien und das trotz geltender Restriktionen und Blockaden, die Google in der Volksrepublik immer wieder erfahren musste. Google CEO Sundar Pichai macht aus seinem Wunsch, wieder in China präsent zu sein, daher kein Geheimnis. Der Markt in der Volksrepublik ist zu groß für Google, um ignoriert zu werden. 2010 zog sich das Unternehmen aus dem aktiven China-Geschäft zurück, nun sucht es erneut Anschluss.

Sicher ist es vor allem die starke Konkurrenz zu chinesischen Wettbewerbern, wie Baidu, Alibaba und Tencent, die Googles Aufmerksamkeit erneut nach China lenkt. Schon lange sind chinesische Firmen keine „Copy Cats“ mehr, sondern ernst zu nehmende Gegner, die in einem Startup-Umfeld, wie es z. B. in Beijing und anderen chinesischen Städten zu finden ist, eine immer größer werdende Innovationskraft entfalten. Das Vordringen einer wachsenden Zahl chinesischer Wettbewerber in westliche Märkte auf der einen Seite, verbunden mit Restriktionen für westliche Unternehmen in China auf der anderen Seite, wird im Westen als Spiel mit unfairen Regeln wahrgenommen.

Unternehmen finden in China überaus vorteilhafte Wettbewerbsbedingungen. Schon jetzt ist die Entwicklung der Volksrepublik zur Supermacht für Künstliche Intelligenz deutlich erkennbar.

Eine im Dezember 2017 veröffentlichte Studie der Eurasia Group, einem New Yorker Think-Tank, in Zusammenarbeit mit Sinovation Ventures, einem US-chinesischen K.I. Entwicklungsunternehmen, beschreibt China und die USA bereits jetzt als globales K.I.-Duopol. Die Volksrepublik biete der K.I.-Community zahlreiche Standortvorteile gegenüber den USA: Darunter eine riesige und ständig wachsende Menge an Daten, von nahezu einer Milliarde Internetnutzern, wenige Restriktionen in Bezug auf die Verwendung dieser Daten, eine schnell heranwachsende Gemeinschaft chinesischer K.I.-Entwickler, risikobereite Unternehmer & Investoren sowie die Unterstützung der Regierung, z. B. in Form wohlwollender Richtlinien und Subventionen.

Li Meng, chinesischer Vizeminister für Wissenschaft und Technik sieht sein Land in der K.I.-Forschung bis 2020 auf dem gleichen Entwicklungsstand wie andere Nationen. In den darauffolgenden fünf Jahren erwarte er einen „großen Durchbruch“, so dass China bis spätestens 2030 zum weltweit führenden „Innovationsstandort für K.I.-Forschung“ aufsteigen kann. Schon jetzt veröffentlichen chinesische Wissenschaftler mehr Publikationen zum Thema K.I. als ihre us-amerikanischen Kollegen. Auf der Jahreskonferenz der Association for the Advancement of Artificial Intelligence 2017 wurden durch die Jury ebenso viele Artikel chinesischer Wissenschaftler akzeptiert wie von amerikanischer Seite, was ebenso für die Qualität chinesischer Forschung spricht.

China stuft Künstliche Intelligenz ist als Schlüsseltechnologie ein und baut seinen globalen Einfluss darüber weiter aus.

In der nächsten Zeit wird sich erst noch zeigen, ob die Entwicklungen beider Länder zu zunehmenden Kooperationen sowie einem Forschungsaustausch oder zu einem harten Konkurrenzkampf führen werden. Derweil scheint letzteres der Fall zu sein. Elsa B. Kania, vom Center for a New American Security, schrieb vor Kurzem, China plane eine globale Führungsrolle durch Spitzenforschung einzunehmen und wolle seine führende Position als Standort für K.I.-Entwicklung auch dazu nutzen, international weiter an Einfluss zu gewinnen. Besonders interessant wird es, wenn man sich die Anwendungsgebiete von K.I. in Bezug auf nationale Sicherheit und Verteidigung vor Augen führt. Für den Aufbau intelligenter Überwachungs- und Frühwarnsysteme spielt künstliche Intelligenz eine wichtige Rolle und ist als Schlüsseltechnologie einzustufen. Im September kommentierte Russlands Präsident Putin zudem: „Wer auf diesem Gebiet [künstliche Intelligenz] die Führung übernimmt, wird zum Herrscher der Welt.“

Schon seit längerer Zeit beschäftigt uns und unsere Klienten das Thema digitale Entwicklung in China sehr; das wird auch in Zukunft so sein. Falls Sie weiterführende Informationen wünschen, kontaktieren Sie uns.