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Die nächste Herausforderung für Chinas Sharing-Economy

Chinas blühender Sharing-Economy Sektor ist weltweit richtungs­weisend. Bis 2025 soll die Branche über 20 % des BIP Chinas aus­machen. Dort wird inzwischen deutlich: Einige Firmen konnten sich etablieren, Neueinsteigern fällt es hin­gegen schwer sich strategisch aufzustellen.

In Sachen Sharing-Economy und P2P-Economy, Peer to Peer Exchange-Plattformen wie Airbnb und ähnliche Startups, steht China weit an der Spitze. Nicht ohne Grund, denn schon in ihrem Arbeitsbericht 2016 bekräftigte die chinesische Regierung ihr Ziel zur „Verbesserung der Ressourceneffizienz und der Unterstützung der Entwicklung einer Sharing-Economy, damit mehr Menschen [an der wirtschaftlichen Entwicklung] teilhaben und Wohlstand generieren können“. Dies war das erste Mal, dass der Begriff „Sharing-Economy“ in einem Regierungsbericht auftauchte und die Ergebnisse der staatlichen Unterstützung ließen nicht lange auf sich warten.

Ein Jahr später ist die in Europa noch aufkeimende Sharing-Branche in China bereits ein wichtiger Stützpfeiler der Wirtschaftsentwicklung. Das Transaktionsvolumen der Branche übertraf 2016 erstmals 500 Mrd. US-Dollar, mit einem vorausgegangenen Jahreswachstum von 103%. Für die Folgejahre wird weiterhin ein Wachstum von etwa 40% prognostiziert. Bis 2025 soll die Branche fast ein Viertel (über 20%) des chinesischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) ausmachen.

Konkret wurde es auch beim ersten „China Sharing Economy CEO Summit“ im Juli dieses Jahres, auf dem die Stadt Ningbo zum führenden Inkubationshub für zukünftige Sharing-Economy Startup-Projekte erkoren wurde. Die Behörden in Ningbo werden fortan auf eine zügige Entwicklung drängen und Gesetze sowie Vorschriften in Bereichen Besteuerung, Landnutzung, Investitionsförderung uvm. den Erfordernissen der Branche anpassen.

Chinas Sharing-Economy ist mit einer Vielzahl von Sharing-Sektoren weltweit richtungsweisend

Die Rollenverteilung ist heutzutage nicht mehr die übliche. Inzwischen orientieren sich US-Firmen an chinesischen Innovationsmodellen. Limebike, ein Fahrrad-Sharing-Startup aus Kalifornien, benutzt für die Umsetzung seiner Prepaid-Funktionen ein chinesisches QR-Modell. Für die Zukunft erwarten wir ein deutlich verstärktes Vordringen chinesischer IT-Innovationen in westliche Märkte. In Silicon Valley ist diese Entwicklung bereits deutlich erkennbar.

Die Erfolgsgeschichten, im Bereich Bike-Sharing, kennen wir auch in Deutschland. Dieser Sektor ist repräsentativ für die Entwicklung der Sharing-Branche und befriedigt die wachsende Nachfrage nach umweltfreundlicher und flexibler Mobilität in Großstädten. Der chinesische Anbieter Mobike, das weltweit erste und inzwischen größte Bike-Sharing-Unternehmen, kündigte im Juli an Investitionen in Höhe 600 Mio. US-Dollar erhalten zu haben. Der chinesische Konkurrent ofo teilte kurz darauf mit, Summen in Höhe von 700 Mio. US-Dollar von Investoren aufgebracht zu haben – Ein neuer Rekord in der Bike-Sharing-Branche, mit der die Entwicklung in Deutschland und Europa nicht weiter mithalten kann.

Doch nicht allen chinesischen Anbietern geht es derart rosig. Die kleineren Mitspieler generieren mickrige Erträge oder fallen der Konkurrenz ganz zum Opfer. Wukong Bike und 3Vbike sind Beispiele für gescheiterte Unternehmen; beide stellten ihren Betrieb im Juni ein. In weniger als fünf Monaten wurden den Unternehmen zahlreiche Fahrräder mit defektem GPS gestohlen oder mutwillig beschädigt. Offensichtlich führte in beiden Fällen eine solide Finanzierung nicht zwangsläufig zum Erfolg, denn bei einem Geschäftsmodell des Teilens spielt das Vertrauen zwischen Anbieter und Kunden eine weitaus wichtigere Rolle als in anderen Geschäftsfeldern.

Neben Fahrrädern teilen Chinesen inzwischen alle möglichen Dinge miteinander. Es gibt Anbieter für das Teilen von Akkus für Elektroroller, Schlafplätzen für die Mittagspause, Basketbällen, Kühlschränken sowie Sonnen- oder Regenschirmen. Die Renditen scheinen vielversprechend zu sein. Allein im April und im Mai dieses Jahres erhielten Sharing-Anbieter für Power Banks von ihren Investoren rund 1,2 Mrd. RMB (183 Mio. US-Dollar) für die Finanzierung. Im gleichen Zeitraum verlor die im April 2017 gegründete Umbrella-Sharing-Plattform E-Umbrella über 300.000 Regenschirme.

Wettbewerb erfordert zusätzliche Differenzierung des Angebots, um sich im Markt zu behaupten

Vielversprechende Erträge der Sharing-Anbieter zogen bisher immense Finanzmittel an. Inzwischen melden sich einige Technologieriesen, wie Tencent, ebenso zu Wort. Sie wollen einen großen Teil des Kuchens abbekommen.

In einer derart umkämpften Branche mit ungehemmtem Wachstum reicht die reine Finanzierung von Unternehmen für die Investoren schon lange nicht mehr aus, um sichere Renditen zu bekommen. Der Sektor benötigt die weitere Spezialisierung der Anbieter und eine klare Gesetzgebung, um das Verhältnis zwischen Unternehmen und Nutzern deutlich zu gestalten.

Wirft man einen Blick ins chinesische Handelsregister und sucht nach verzeichneten Bike-Sharing-Anbietern, erkennt man schnell die vielen Wiederholungen und die zahlreichen Firmen mit deckungsgleichen Leistungen. Eine Differenzierung des Marktes wäre also erforderlich. Ohne gesetzliches Regelwerk oder ein einheitliches Reputationssystem, welches Vertrauen zwischen Dienstanbietern und Benutzern stärkt, werden geteilte Ressourcen oder Inventar wie Regenschirme wohl weiterhin verschwinden und die Existenz von Sharing-Unternehmen gefährdet.

Verglichen mit dem Potential, das die Branche weiterhin für uns bereithält, sind die aktuellen Hindernisse wohl trotzdem leicht zu überwinden. Die unzähligen Startups, die trotz ihrer bescheidenen Größe von Technologie-Giganten unterstützt und finanziert werden, bieten der chinesischen Wirtschaft großes Wachstumspotential und Möglichkeiten Arbeitsplätze für Chinas 1,3 Mrd. Einwohner zu schaffen. In nicht ferner Zukunft wird zudem auch das produzierende Gewerbe in China von den Möglichkeiten Informationen und Produktionskapazitäten zu teilen profitieren.

 

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