Beitrag: China Contact 7/8-2018

Trotz der Tatsache, dass China in aller Munde ist und fast täglich in der Wirtschaftspresse, gibt es unverändert großen Informationsbedarf bei deutschen Unternehmen, vor allem im Mittelstand. Dies machte eine gemeinsame Veranstaltung der Beratungshäuser Dezan Shira & Associaties und Bürger SinoConsulting mit dem OWC Verlag für Außenwirtschaft Mitte Juni in Berlin deutlich.

In einem halbtägigen Workshop identifizierten und diskutierten die China-Experten Kristine Horbach (Dezan Shira) und Martin Bürger (Bürger SinoConsulting) die Themen, die die Teilnehmer im Hinblick auf den Markteintritt in China am stärksten bewegten.

Das Spektrum war breit und reichte von Trends im Bereich Künstlicher Intelligenz und der Digitalen Trans­for­ma­tion über klassische Themen wie Vertrieb, Beteiligungen an chinesischen Unternehmen, der Bewertung von In­vest­itionen, Hürden beim Markteintritt sowie Schutz geistigen Eigentums bis hin zur China-Strategie der Bundes­re­gier­ung. Die Teilnehmer priorisierten die Themen und erarbeiteten gemeinsam strategische Leitfragen für die Schwer­punkt­themen Rechtssicherheit und Interkulturelles.

Die Basis für den Workshop boten Impulsvorträge der drei Referenten.

Kristine Horbach, Leiterin des German Desk bei Dezan Shira, gab eine Einführung in „Strategien im China-Geschäft – Hindernisse für KMU auf dem chinesischen Markt“. Horbach stellte spezifische Herausforderungen vor, wie die Ungleichbehandlung ausländischer Unternehmen, komplexe Rechts- und Steuersysteme, Compliance oder die Suche nach geeigneten Fachkräften. Im Fokus stand dabei unter anderem die Bedeutung von interner Kontrolle. Deren Umsetzung sei in China eine besondere Herausforderung, so Horbach, die auch unter Einbeziehung des HR-Managements angegangen werden müsse. Führungskräfte, die sich überwiegend in Übersee aufhalten, ein sehr tra­di­tion­elles Managementklima, oder die hohe Fluktuation von Personal könne Compliance in ausländischen Unter­neh­men in China besonders anspruchsvoll machen. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf allgemeinen Anfangsfehlern beim Markteintritt und der Herausforderung fehlenden Markenschutzes.

Martin Bürger, Geschäftsführender Inhaber der Bürger SinoConsulting, erläuterte den Teilnehmern Besonderheiten chinesischer Führungs-und Managementstile. „Chinesische Manager haben viel von westlichem Management ge­lernt“, so Bürger. Dies resultiere in einem Stil-Mix aus westlichen Management-Praktiken mit chinesischen Ele­men­ten. Im besten Fall ermögliche dies eine Art „Cherry Picking“, in dem das „Beste vom Besten“ aus brauchbaren Methoden zum Teil abgewandelt und angepasst beziehungsweise ergänzt wird, um der chinesischen Lebensrealität gerecht zu werden. Die Anpassung an die Lebensrealität der Chinesen, so Bürger, erforderte die Inklusion chinesischer Kultur­elemente – beispielsweise konfuzianischer Werte wie Hierarchiedenken als Eckpfeiler der Organisationskultur, Gruppen­bewusstsein und persönliche Beziehungen. Ungeachtet aller kulturellen Unterschiede stellte Bürger eine bedeutende Gemeinsamkeit zu Management in Deutschland heraus: „Gute Manager sind auch in China selten und teuer.”

Patrick Bessler, Chefredakteur beim OWC-Verlag ging der Frage nach der Bedeutung der chinesischen Belt and Road Initiative für die Logistik nach. Der Güterverkehr auf der Schiene zwischen China und der EU boomt. Zwischen 2010 und 2017 ist das Volumen, gemessen in Standardcontainern (TEU), von 7.000 auf 270.000 TEU hochgeschnellt. Ex­per­ten gehen von einem anhaltenden Boom aus. Doch was bedeutet dies für die Logistik auf dem eurasischen Kontinent? Was für die Struktur des deutschen Handels? Ein Game-Changer für die Logistik ist die BRI bislang nicht. Noch nicht, denn die Entwicklung steht erst am Anfang, resümierte Bessler.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Fachmagazin China Contact.

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